Wandertipp: Rund um Berggießhübel

Urige Felsgebiete, einsame Wanderwege und beinahe unberührte Natur am Rande der Sächsischen Schweiz

Der kleine Kurort Berggießhübel liegt im idyllischen Gottleubatal am Rande der Sächsischen Schweiz. Die mitten durch den Ort fließende Gottleuba trennt die Sächsische Schweiz vom Osterzgebirge. Ihr findet im Ort mehrere Geschäfte, Sparkasse, Apotheke Einkaufsmarkt sowie verschiedene Physiotherapien, Wohlfühl-Angebote und Gaststätten und Cafés. Dieser Ort ist von Wald und einzigartigen Sandsteinfelsen umgeben. Hier könnt Ihr Erlebnis, Ablenkung und Erholung zugleich finden. Die zu jeder Jahreszeit mögliche rund 26 km Wandertour rund um Berggießhübel vermittelt viele wunderschöne Eindrücke. Wer nicht nur wandern will, sondern die Natur und Felsenansichten entsprechend der Jahreszeit genießen will, sollte sich zum Erkunden mehr Zeit nehmen und unseren Wandervorschlag in mehrere  Etappen einteilen.

Wir starteten mit unseren Oldenburger Freunden und ihren Kindern Lara Marie und Jan Ole, welche im Ferienhaus Mörbitz ihren Urlaub verbringen, am Parkplatz alter Bahnhof (Einfahrt gegenüber dem Berggießhübler Rathaus). An der Volksbank überqueren wir die Straße und laufen vorbei am Schloss Friedrichsthal mit Parkanlage (1452 erstmals als Vorwerk erwähnt z.Z. leer – neuer Betreiber gesucht). Wir laufen unmittelbar an der Medianklinik vorbei über die „Dreieckwiese“  bis zu Garagen einer Autowerkstatt. Von da aus folgen wir dem Wegweiser in Richtung Gersdorf. Leider müssen wir hier einen größeren Bogen machen, um die  FELSENBRÜCKEN zu erreichen. Der in meiner Karte verzeichnete Serpentinenweg (früher vom Forst und durch ABM-Kräfte gepflegt), wurde von einem Privatbesitzer aus Bayern durch Abholzung des Waldes mit einem Harvester zerstört, die Wanderschilder wurden ebenfalls entfernt.

Wir folgen dem Weg bergauf bis zur Wegmarkierung Felsenbrücken, Zehistaer Wände. Dort entscheiden wir uns nach links für einen kleinen Umweg. Ein Pfad unterhalb der Gersdorfer Wände führt uns zur Gersdorfer Ruine. Die Kinder unserer Freunde ent-decken voller Spannung Felsspalten,  Überhänge und Höhlen. An der Gersdorfer Ruine ist die angelegte Aussicht völlig zugewachsen. Wir lesen die Infotafel, machen eine Trinkpause und ein Erinnerungsfoto.

Zurück gehen wir oberhalb der Felsenkette auf dem ausgewiesenen Weg. Biegen links ab vorbei an einem Sandsteinwall aus der Zeit der Befreiungskriege von 1813 in  Richtung Steinerner Pilz und Felsenbrücken. Nachdem wir den „Steinpilz“ entdeckt und fotografiert haben, gelangen wir zu den naheliegenden Felsenbrücken. Wir genießen den landschaftlich schönen Ausblick und steigen auf die von Blättern vergrabenen Stufen hinab. Fasziniert vom Anblick der sich um uns auftürmenden Felsen erkunden wir diese mit den Kindern noch etwas tiefgründiger. Wir entdecken auch den ehemaligen Serpentinenweg. Schade, dass dieser nicht mehr gepflegt wird und es keine Schilder mehr gibt.

Weiter geht es auf einem Waldpfad oberhalb der Felsen in Richtung ZEHISTAER WÄNDE.  Am Wegweiser queren wir den Wanderweg Richtung Ottendorf, mehr einem Wanderpfad gleichend. Unterwegs suchen wir nach der in der Wanderkarte eingezeichneten Aussicht auf den Ort, zur Panoramahöhe und bei guter Sicht bis nach Tschechien. Schade, auch hier ist alles verwachsen. Damit die Kinder die Lust behalten, der Weg sich nicht zu lang hinstreckt, suchen wir nach Felsen mit Phantasiegestalten, -gesichtern, -köpfen und schauen in die Tiefe. Die Wege (ebenfalls nicht ausgewiesen und gepflegt) unterhalb der Felsen lassen diese in einem ganz anderen Licht erscheinen. Von unten windet sich auch an einer Stelle ein ganz schmaler Pfad entlang der früheren Mühlsteinbrüche oder Verschanzungen aus den Befreiungskriegen 1813 (jetzt mit Immergrün verwachsen) bis auf den Weg oberhalb der Zehistaer Wände. Am Ende der Zehistaer Wände hören wir Fahrzeuge von der S 173 am Gewerbegebiet Ladenberg, die Straße überqueren wir nach einiger Wartezeit, um den breiteren Weg weiter zur Kleinen Bastei zu nehmen. Hier steht eine Hinweistafel zu den Napoleonischen Kriegen um 1813. Dem Weg folgen wir bis zur Wegkreuzung mit Wegweiser zur KLEINEN BASTEI.

Die kleine Bastei ist enttäuschend, da man nur eine von Geländer unbegrenzte ehemalige Aussicht mit Überresten von Bankbefestigungen wahrnimmt. Der Weg führt weiter zwischen Wald und Feld entlang, links der Sendemast auf dem COTTAER SPITZBERG. Nach einer Spitzkehre sehen wir nun von unten, wie schön die Felsen der Kleinen Bastei sind. Wir rasten an der Zwieselquelle, die durch den trockenen Sommer kaum noch Wasser hat. Weiter des Weges bis in den Ortsteil Zwiesel an den Fluss Gottleuba. Vorbei an der ehemaligen Zwieselmühle, wo man den Wassergraben noch erkennen kann. Früher soll hier eine Holzschneidemühle mit Gastwirtschaft gewesen sein. An dieser Stelle stellen wir uns ein entsprechendes Museum vor.

Die Brücke überquerend geht es am Fluss entlang bis uns das Schild FORELLENSTEIG den Pfad weist. Wildromantisch schlängelt sich der Pfad am auch  wenig Wasser führenden Flüsschen entlang. An der Zwieselbrücke angekommen entscheiden wir uns, den Kindern die Kletterfelsen in den ehemaligen LANGENHENNERSDORFER MÜHLSTEINBRÜCHEN zu zeigen. Wir sehen zwar keine Kletterer aber einige „Bolderer“ mit ihren Matratzen, die an Felsenüberhängen kletternd und dabei mit ihren „Magnesiahänden“ den Fels beschmutzen. Das ist verboten, erklären wir den Kindern, weil der Sandstein dadurch Schaden nimmt.

Wieder zurück auf der Zwieselbrücke suchen wir den auf der gegen-überliegenden Straßenseite befindlichen Aufgang zum Weg, der parallel zur Straße nach Bahra (Achtung Straßenbaumaßnahmen) führt.  Diesem Weg folgen wir bis zu einer Schotterfläche. Dort biegen wir rechts bergauf ab. An der asphaltierten Forststraße (EISENSTRAßE) angekommen, gehen wir diese links abbiegend entlang bis zu einem überdachten Rastplatz mit Wegweisern. Nun ist es nicht mehr weit bis zu den ausgewiesenen Eibischsteinen. An der Holzbank biegen wir links ab und folgen bergan der grünen Punktmarkierung durch die frisch vom Forst freigelegten EIBISCHSTEINE. Auch hier bewundern wir die kleinen und mittleren Sandsteingebilde und unsere Kinder verstecken sich in einer entdeckten, aus Ästen und Moos gebauten Bude.

An der großen Eiche mit Rundumsitzgelegenheit entschließen wir uns, auch noch den kleineren EULENSTEINEN einen Besuch abzustatten. Vorbei an der Klahrschen Feldscheune (gelbes Gebäude mit Rastplatz) und dem links vom Weg liegenden, naturflächengeschützten Buchenberg bis zu den 441m hoch liegenden Eulensteinen. Dem Weg folgen wir bis zu einem steinernen Wegweiser mit Rastbank. Die PANORAMAHÖHE mit Aussicht vom BISMARCKTURM ist von hier aus unser nächstes Ziel. Die S173 überqueren wir ca.100m nach links gerichtet und biegen nach  rechts gewandt in den Feld- und dann Waldweg zur Panoramahöhe ein. Der 26 m hohe Turm wurde 1900 vom damaligen Eigentümer des Schlosses Friedrichsthal errichtet. Um die Aussicht zu genießen holen wir uns den Schlüssel in der anliegenden Bergbaude. An den Wochenenden von 11-14 Uhr können Sie dort auch einkehren. Der Zufahrtsstraße bergab folgend wollen wir über die MÖRBITZAUSSICHT wandern (mein Onkel, Erich Mörbitz, 1910-1985 Schmiedemeister, nach 1945 für Naturschutz eintretend und heimatliebend, rettete er Denkmale mit historischem Wert). Von der Aussicht mit Blick auf Berggießhübel und den Cottaer Spitzberg führt uns ein Wanderweg in den Ort zur Kirchbergbrücke.

In einer kleinen Parkanlage am Flussbett sehen wir Informationstafeln und Denkmale für Kriegshelden und zum Hochwasserereignis 1927. Nach dem wir die Brücke überquert haben, gehen wir den Fußweg entlang bis zum Hochsteinweg, dem wir bergauf vorbei am „Hengstgedenkstein“, im Rücken die Kirchturmspitze, folgen. Über Holztreppenstufen vorbei am ehemaligen Bergbauzugang HAMMERZECHE erreichen wir die Aussicht Rektor-John-Platz. In unmittelbarer Nähe finden wir die Sage zur Felsengruppe HOCHSTEIN, den Schwestern, der Teufelskuppe und der Blätglocke (Bügeleisen). Auf dem Hochstein vermissen wir wieder die angezeigte Aussicht. Der Pfad an den Schwestern vorbei, hinauf zur rechts befindlichen Blätglocke und auf der Rückseite hinunter bis zur Schutzhütte war von Blättern verdeckt nicht leicht zu finden. Die Kinder fanden die Geschichte und das Klettern auf das Bügeleisen mit Erinnerungsfoto ganz toll. Von der Schutzhütte aus folgen wir dem Weg nach rechts an zwei Grundstücken vorbei bis zur Gersdorfer Straße, die wir nach links überqueren. Nach 50 Metern führt ein Weg zweimal rechts abbiegend  an ehemaligen Sandsteinbrüchen vorbei durch den Wald wieder zurück auf unseren Einstiegsweg unterhalb der Felsenbrücken.

Nachtrag: An zwei Stellen dieser Tour, in Langenhennersdorf und Bahra Hellendorf, könnten wir uns vorstellen, dass diese romantische und abwechslungsreiche Gegend in den Forststeig angebunden werden könnte. Außerdem sei noch erwähnt, dass Berggießhübel auch auf einer kleinen Stadtrunde noch viele Geschichten von Eisenerzgewinnung, Kur- und Bäderbetrieb, aus der Zeit der Dampfeisenbahn und der Hochwasser zu erzählen hat (Heimatstube Fr. 14 bis 18 Uhr geöffnet; 035023 60206).         

          Erlebt und aufgeschrieben

         Carina Hoese geb. Mörbitz